Fratture

Knochenbrüche am Fuss und an den Sprunggelenken

Brüche, die die Gelenke nicht betreffen

In einem gesunden Fuss heilen diese Brüche in der Regel ohne Problem und ohne besondere Behandlung. Ein Gipsverband oder eine Schiene in plantigrader Stellung des Fusses vermindern den Schmerz.und erleichtern die Fortbewegung.

Die Knochenachsen müssen aber stimmen, um die gesamte Orientierung des Skeletts nicht zu stören. Wegen dieser Gefahr muss man manchmal eine Operation bei Brüchen von Mittelfussknochen (metatarsale) durchführen.

Brüche, die die Gelenke mitbetreffen

Wenn die Gelenksfläche mit involviert ist, so kann sie auf Frakturhöhe eine Stufe bilden. Wenn der Knochen in einer solchen Fehlstellung heilt, kann das Gelenk nicht mehr einwandfrei funktionieren und es besteht das Risiko einer Zerstörung der Knorpelfläche mit der Entwicklung einer schmerzhaften Arthrose.

Der Fuss enthält ca. 28 Knochen und mehr als 30 Gelenke, so dass die meisten Knochenbrüche am Fuss durch mindestens ein Gelenk verlaufen. Zum Glück sind nicht all diese Gelenke wesentlich an einer korrekten Funktion des Fusses beteiligt.

Eine anatomisch genaue Einstellung der Gelenkfläche durch eine Operation (Osteosynthese) ist somit nur in ausgewählten Fällen indiziert.

Knöchelbrüche und Gelenksbrüche am oberen Sprunggelenk

Knöchelbrüche betreffen das untere Ende vom Waden- und Schienbein. Diese Brüche betreffen immer das obere Sprunggelenk und müssen deshalb immer sorgfältig radiologisch untersucht werden. Eine Mehrheit dieser Brüche muß durch eine Operation fixiert werden, um eine gutes Endresultat zu erzielen.

Der Gelenksanteil und besonders das anatomische Verhältnis zwischen Waden- und Schienbein muss wieder hergestellt werden (Osteosynthese). Somit kann das obere Sprunggelenk schnell wieder bewegt werden, ohne dass sich die oben erwähnte Arthrose entwickelt. Unter optimalen Umständen kann eine solche Operation ambulant geschehen.

Es gibt aber seltene Gelenksbrüche des oberen Sprunggelenks, die die Gelenksfläche des Schienbeins in mehrere Fragmente zersplittern. Die Behandlung solcher Berstungsfrakturen ist schwierig und das funktionelle Resultat inkonstant.

Talusfrakturen (Sprungbein)

Dieser Knochen liegt genau unter der Tibia und gehört somit zum oberen Sprunggelenk. Er liegt aber auch in einer Schlüsselstelle der Rückfussgelenke und ist somit fast ganz mit Knorpel bedeckt.

Talusfrakturen sind relativ selten und manchmal schwierig zu diagnostizieren. Wir meinen, dass jede Talusfraktur eine operative Behandlung für ein optimales Endresultat benötigt. Dabei werden entweder die Fragmente anatomisch zusammengefügt und fixiert oder kleinere Fragmente entfernt, so dass die Gelenke ungehindert bewegt werden können.

Talo 1
Talo 2

Calcaneusfrakturen (Fersenbein)

Dieser Knochen bildet die Ferse. Er befindet sich unter dem Sprungbein und erlaubt durch das untere Sprunggelenk ein Schwenken des gesamten Fusses nach innen und nach aussen, so dass beide Sprunggelenke zusammen ein Kardangelenk bilden. Gelenksfrakturen des Fersenbeins sollten in den meisten Fällen operativ angegangen werden.

Calcagno1

Hier ist nicht nur das Gelenk wesentlich: Die gesamte Form und Dimension des Fersenbeins muss wieder hergestellt werden, wenn das Endresultat gut sein soll.

Calcagno2

Naviculare-Frakturen (Kahnbein)

Dieser Knochen liegt genau vor dem Sprungbein und bildet mit ihm eines der wichtigsten Gelenke des Fusses, welches z.B. bei Ballettänzern besonders beansprucht wird.

Deshalb ist ein Bruch dieses Knochens eine schwere Verletzung, die in vielen Fällen mit einer Verrenkung des Gelenks mit dem Sprungbein assoziiert ist. Dieses Gelenk sollte in allen Fällen operativ rekonstruiert werden.

os1
os2

Kuboid-Frakturen (Würfelbein)

Dieser Knochen befindet sich in der vorderen Fortsetzung des Fersenbeins an der Aussenseite des Fusses und bildet die Wurzel des 4. und 5. Mittelfussknochens.

Seine gesamte Integrität sollte bei einem Bruch operativ wiederhergestellt werden. Das Gelenk zum Fersenbein kann ohne grosse Verluste versteift werden, was für die Gelenke mit den Mittelfussknochen nicht zutrifft.

Mittelfussknochen-Verrenkungsbrüche

Diese Verletzungen sind mindestens so komplex wie ihr Name. Sie werden auch oft als “Lisfranc-Verletzung” nach dem französischen Chirurgen Jacques Lisfranc (1790- 1847) benannt, der hier eine Amputationstechnik durch diese Gelenke beschrieben hatte.

Diese Verletzungen sind fast immer eine Kombination von Verrenkungen und Brüchen, wobei bei der Diagnostik (schwierig) besonders der 2. Strahl beachtet werden sollte. Wenn hier die Knochenachsen nur einige Millimeter von der normalen (Gegenseite) abweichen, sollte eine operative Behandlung in Betracht gezogen werden.

Zehenfrakturen

Die Zehenknochen sind zahlreich : mit den 2 Sesambeinknochen der Grosszehe sind es 16 Knochen pro Fuss. Alle entsprechenden Gelenke sind nicht wesentlich für die normale Funktion des Fusses.

Nur die Zehengrundgelenke mit Ausnahme der Grosszehe sind wesentlich für die Fortbewegung. Die meisten Brüche der Zehen sind zwar sehr schmerzhaft, aber ihre Behandlung erfolgt zumeist nicht operativ, sondern durch eine Schienung an der Nachbarzehe.

Das wichtigste an den Zehen ist ihr Bodenkontakt im Stehen und beim Abstoss.

Knochenbrüche im Becken- und Hüftbereich

Knochenbrüche, die das Hüftgelenk nicht tangieren

Beckenfrakturen: Das Becken ist der grösste Knochen am Menschen. In der Tat wird das Becken von zwei symmetrischen Knochen gebildet, die vorne mit einem Gelenk, die Symphyse, verbunden sind.

Jede Beckenhälfte wird aus drei Knochen gebildet, die sich im Alter von 12 – 14 Jahren knöchern verbinden : das Darmbein, Sitzbein und das Schambein. Das Becken ist die mechanische Verbindung zwischen Wirbelsäule und den unteren Gliedmassen.

Die Wirbelsäule ist zwischen den zwei Beckenhälften im hinteren Bereich auf Höhe des Sakrums eingekeilt und bildet somit zwei ilio-sakrale Gelenke. Das Gelenk zwischen Becken und Oberschenkel ist das Hüftgelenk. Beckenbrüche sind beim Kind sehr selten. Beim älteren Erwachsenen sind sie relativ häufig, z.T. wegen allfälliger Osteoporose.

Beim jüngeren Erwachsenen sind Beckenbrüche Folgen von gewaltigen Traumen, dessen Schweregrad von der Dislokation der Fragmente abhängig ist. Dabei kommt es auf die Verletzungen der Weichteile, insbesondere auf die Gefäss- und Nervenverletzungen an. Sogenannte komplexe Beckenfrakturen (ca. 10% aller Beckenfrakturen) sind lebensgefährliche Verletzungen, die eine sofortige chirurgische Behandlung benötigen.

Hüft-Frakturen

Diese Knochenbrüche betreffen den Femur und die Gelenksoberfläche ist nicht involviert. Es handelt sich um sehr häufige Frakturen, die besonders mit unserer immer älter werdenden Bevölkerung in steigender Inzidenz auftreten.

Je nach Lokalisation der Fraktur kann diese mit Osteosynthese-Material fixiert werden (Schrauben, Nägel, Platten). Bei anderen Frakturen (Schenkelhals) und beim älteren Patienten wird mit Vorteil der Femurkopf, eventuell das ganze Hüftgelenk mit einer Endoprothese ersetzt.

Das Behandlungziel ist eine möglichst rasche Wiederherstellung der Gehfähigkeit.

Knochenbrüche, die das Hüftgelenk einbeziehen

Wenn ein Knochenbruch durch die Gelenksfläche geht, kann es im Knorpelbereich zu einer Stufenbildung kommen. Diese Stufe ist mit einer normalen und schmerzfreien Gelenkfunktion inkompatibel. Wenn der Knochen in einer solchen Position konsolidiert, besteht die Gefahr, dass das Gelenk zugrunde geht und sich hier eine schmerzhafte Arthrose einstellt.

Im Beckenbereich heissen Brüche, die das Hüftgelenk mit einbeziehen, Azetabulumfrakturen. Diese Brüche betreffen somit die Hüft-Pfanne. Wenn das Gelenk nicht verrenkt und auch nicht massiv instabil ist, ist keine notfallmässige Operation angezeigt. Eine Osteosynthese mit genauer Adaptation der Gelenksfläche ist aber notwendig für eine langfristig schmerzfreie Funktion des Hüftgelenks.

Am Oberschenkel heissen Brüche, die das Hüftgelenk mit einbeziehen, Hüftkopf-Frakturen. Diese Brüche sind selten und meistens durch die Verrenkung des Gelenks verursacht. Die Behandlung ist schwierig und die Prognose inkonstant wegen der Beeinträchtigung der lokalen Knochendurchblutung.

Die Demokratie in Verbindung mit der Volksignoranz ist der kürzeste Weg zum Despotismus, via Demagogie (Condorcet)